Lichtverschmutzung

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da funkelten des Nachts tausende Sterne vom Himmel zu uns herunter. Die Menschen blickten auf und bewunderten den Diamantteppich, der so kunstvoll gewebt schien, dass sich eindrucksvolle Bilder darin befanden. Die Menschen gaben den Bildern Namen und erkannten sie auch im darauf folgenden Jahr wieder. Sie erzählten einander Geschichten, die zu den Bildern gehörten, phantasiereiche Geschichten von Göttern, Königen und mancherlei Getier. Dichter überboten sich gegenseitig in der Lobpreisung der funkelnden Gestirne.

Die Menschen kannten sich aus am Himmel, er war wie ein alter Bekannter. Sie wussten beispielsweise, dass der Frühling kurz bevor stand, wenn sich am Abend die Plejaden im Westen letztmalig zeigten. Oder dass der Sommer seinen Höhepunkt hat, wenn der Schwan hoch im Zenit des Himmels vorüberzog.

Das war vor der Erfindung der Elektrizität, als die Nacht noch richtig dunkel war, einzig erhellt vom Mond. Unsere modernen Zeiten bringen es leider mit sich, dass die Nacht förmlich zum Tag gemacht wird. Immer mehr Lampen werden installiert und schicken die ganze Nacht hindurch ihr künstliches Licht aus. Durch die Lichterflut am Erdboden verblassen allmählich auch die Sterne. In manchen Großstädten sind sie kaum noch wahrzunehmen. Was sonst nur die Sonne geschafft hat, nämlich des Tags mit ihrem Lichterglanz die Sterne vom Himmel zu fegen, erledigen heute Millionen von Straßenlampen, Autoscheinwerfern, Industrieanlagen und Leuchtreklamen.

Das macht nicht nur den Astronomen das Leben schwer, sondern auch Insekten und anderen Tieren, die durch so viel Licht verwirrt werden. Und zudem bedeutet es noch eine enorme Energieverschwendung.

Der Begriff "Lichtverschmutzung" ist etwas irreführend, denn nicht etwa das Licht selbst wird verschmutzt oder das Licht verschmutzt den Himmel. Licht leuchtet einfach und ist oft sogar sehr nützlich. Doch wir sollten es eben nicht damit übertreiben.

 

Lampe schlecht abgeschirmt, beleuchtet den Himmel mit.

Die Nacht darf ruhig dunkel sein, so wie es sich für eine Nacht gehört. Wenn Licht nötig ist, sollte es nicht nach oben abgestrahlt, sondern abgeschirmt werden, damit es auch wirklich da leuchtet, wo es gebraucht wird. Licht verschmutzt den Sternenhimmel nicht wirklich, es bleicht ihn einfach zu stark aus, Sterne werden unsichtbar.

Das ist sehr schade, denn den Sternenhimmel kann man durchaus als Kulturgut betrachten. Menschen erliegen seit Jahrtausenden der Faszination des Sternenhimmels, und wir wollen doch alle nicht, dass uns dieses Erlebnis verlorengeht!

Lampe gut abgeschirmt, erhellt nur den Boden.

 

Die Erde bei Nacht, vom Weltraum aus gesehen

Foto: NASA. Diese Nachtaufnahme der Erde ist aus vielen Einzelfotos zusammengesetzt, die vom Weltraum aus gemacht wurden. Deutlich zu erkennen ist das Licht, das des Nachts von unserer Zivilisation abgestrahlt wird.

Die starke Beleuchtungsdichte am Erdboden führt dazu, dass über uns der Himmel aufgehellt wird und die Sterne verblassen. Sie sind zwar nach da, aber für uns kaum noch sichtbar. Während man früher noch einige Tausend Sterne am Himmel ausmachen konnte, sehen wir heute nur noch wenige Hundert, in größeren Städten gar weniger als hundert Sterne. Viele Menschen haben noch nie die Milchstraße gesehen, dieses silbrig schimmernde Band, das sich quer über den Himmel zieht und nur zu erkennen ist, wenn keine irdischen Lichter stören.

Wie dunkel ist dein Himmel daheim?


Auf der Mach-mit-Seite erfährst du, wie du die Dunkelheit des Himmels über deinem Heimatort abschätzen kannst.

Auswirkungen der nächtlichen Lichterflut

Die Sterne verblassen

Obwohl wir die Nacht jetzt schon so aufwändig erhellen, lässt sich feststellen, dass die Beleuchtung Jahr für Jahr noch um etwa 6% zunimmt. Die Sterne verblassen dabei allmählich, nur die hellsten können sich noch am Himmel behaupten. Dadurch gehen aber auch die schönen Sternbilder verloren, denn mit den wenigen noch sichtbaren Sternen lassen sie sich nicht mehr zusammenfügen.

Auch die Milchstraße, unsere Heimatgalaxie mit ihren Milliarden Sternen, ist inzwischen so gut wie unsichtbar. Die meisten Menschen haben sie noch nie gesehen. Um den überwältigenden Anblick eines mit Sternen übersäten Himmels erleben zu können, muss man raus aus den Städten. Amateurastronomen nehmen oft lange Autofahrten auf sich, um sich ihrem Hobby widmen zu können.

Der Sternenhimmel ist ein Kulturgut, mit dem sich alle Völker zu allen Zeiten intensiv beschäftigt haben. Uns modernen Menschen geht er leider nach und nach verloren.


Tiere werden verwirrt

Wer kennt das nicht: Nachtfalter und andere Insekten umschwärmen nachts die Lichtkegel der Straßenlampen. Sie fühlen sich vom Licht angezogen. Für viele Millionen Insekten werden die nächtlichen Lichter zu Todesfallen. Aber auch wer überlebt ist gestört, nämlich in seinem natürlichen Verhalten, nach Nahrung und Fortpflanzungspartnern zu suchen.

Doch nicht nur Insekten sind abgelenkt. Auch Vogelschwärme werden nachts auf ihren Reisen irritiert, wenn sie die Lichterglocken der Großstädte sehen.


Die menschliche Psyche leidet

Auch wir Menschen bekommen die Auswirkungen der hellen Nächte zu spüren, obwohl wir sie ja selbst verursachen. Menschen sind eigentlich einen festen Tag-/Nachtrhythmus gewohnt. Doch inzwischen kommen insbesondere große Städte kaum mehr zur Ruhe, das Leben tobt 24 Stunden rund um die Uhr.

Das hat allerdings Folgen für unsere Gesundheit. Schlafstörungen und Nervosität nehmen zu, der Biorhythmus gerät aus dem Takt, Immunsystem und das Herz-Kreislaufsystem werden geschwächt. Das führt auf die Dauer zu verschiedenen Krankheiten.


Astronomen können nicht mehr arbeiten

Astronomen werden durch die Lichterflut erheblich in ihrer Arbeit gestört. Ehemals wichtige und gut funktionierende Sternwarten befinden sich heute mitten in großen hell erleuchteten Städten. Darum müssen Astronomen ausweichen und sich abgelegene Standorte für ihre Sternwarten suchen. Große Teleskope werden heute in weit von Mitteleuropa entfernten Gebieten aufgestellt. Man zieht sich auf Inseln wie Hawaii und die Kanarischen Inseln zurück oder ins Hochgebirge von Chile.

Es besteht auch die Möglichkeit, Teleskope im Weltall zu positionieren. Die Beobachtung aus dem Weltraum mit Satelliten und Weltraumteleskopen hat deutlich zugenommen. Hier stören weder irdische Lichter noch die Erdatmosphäre. Geplant sind inzwischen sogar Teleskope auf der Mondoberfläche.


Verschwendung von Energie

Viel Licht benötigt natürlich viel Energie, und diese Energie muss zunächst einmal in Kraftwerken erzeugt werden. Da die Lichtverschmutzung von Jahr zu Jahr stärker wird, steigt auch der Energiebedarf unaufhörlich. Und damit auch die Umweltbelastung, denn Kraftwerke stoßen auch Abgase aus.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, um die nächtliche Beleuchtung auf ein Mindestmaß zu beschränken, um damit Energie zu sparen und die Umwelt zu entlasten. Weniger Licht in der Nacht hat also viele positive Aspekte, und nicht zuletzt den, dass uns der Sternenhimmel erhalten bleibt.


Leider ist den Meisten gar nicht bewusst, dass unsere Nächte viel zu hell sind, mit all den negativen Auswirkungen wie oben beschrieben. Und einzelne Sternfreunde können kaum etwas ausrichten im Kampf gegen die Lichtverschmutzung. Darum ist es wichtig, sich zusammenzuschließen und die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen.

Das tut z.B. die VdS, die Vereinigung deutscher Sternfreunde mit ihrer Fachgruppe 'Dark Sky - Initiative gegen Lichtverschmutzung'. Und da es ein weltweites Problem ist, gibt es auch dafür eine Interessengruppe, nämlich die "International Dark Sky Association". Diese Gruppen haben die Möglichkeit, beispielsweise Stadträte darauf hinzuweisen, geeignete Straßenlampen auszuwählen oder Bauwerke und Denkmäler nicht ständig anzuleuchten.

Mehr zur Problematik Lichtverschmutzung findest du auf http://www.lichtverschmutzung.de/


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